Kaum eine Denkweise kann Dich mehr ausbremsen als der vorauseilende Gehorsam. Kaum etwas macht Dich abhängiger von Anderen und läßt Dich mehr in der Luft hängen. Und kaum etwas wird Dir weniger gedankt.
Was ist ein vorauseilender Gehorsam?:
- gehorsam = tun, was der andere erwartet
- vorauseilend = vorhersehen, was passieren wird
In Kombination führt das dazu:
- erraten wollen, was Andere wollen könnten
- es anderen Recht machen wollen
- sich in Andere hineinversetzen
- etwas tun, von dem man glaubt, der Andere würde das wollen / gutheißen / sich darüber freuen / dankbar sein
Schwierig ist die Erwartungshaltung, die daran hängt:
- der Andere soll dankbar sein
- soll sich freuen
- soll das zum Anlass nehmen, Ähnliches zu tun
- soll erraten, was man selbst gern möchte (aber nicht ausspricht)
Problematisch ist, dass der vorauseilende Gehorsam keine solide Basis hat. Vorauseilend meint, dass eine Klärung der Erwartungen und Anforderungen eben gerade nicht stattgefunden hat. Alles basiert auf Vermutungen. Und die Vermutungen speisen sich mehr an dem, was man selbst gerne hätte als an konkreten Beispielen von Anforderungen, die vom Anderen vielleicht in der Vergangenheit vorliegen.
Vermutungen aber können zutreffen oder auch nicht. Und gleich, ob sie zutrafen oder nicht, ist der Andere ungebunden. Da nichts bestellt wurde, ist man nicht zu Freude, Dankbarkeit oder Gegenleistung verpflichtet.
Damit aber können Erwartungshaltung und Reaktion aufeinanderprallen. Vorwürfe sind die übliche Folge, egal wie ungerechtfertigt diese sein mögen.
Was dann?
Ganz einfach:
1. höre auf zu raten, zu interpretieren, vorherzusehen, hineinzuversetzen.
2. sage es den Anderen
3. nimm alles wortwörtlich, nimm alles für bare Münze
4. sage den Anderen, was Du verstanden hast und wie du handeln wirst
5. handle konsequent
6. weise jede Aufforderung oder Kritik zurück, die eine Interpretation einfordert
Was nicht gesagt wird, wird nicht gemacht. Was gesagt wird, wird für bare Münze genommen. Ein „geht doch allein ins Kino“ führt dazu, dass man losgeht. Klare Aussage, klare Konsequenzen.
Klar ist das am Anfang ein bisschen ungewohnt und es kommt auch wenig feinfühlig daher. Aber der Mensch gewöhnt sich sehr schnell. Und letztlich profitieren alle davon:
Der Andere, weil er komplizierte Konstruktion möglichst eindeutiger aber verborgener Andeutungen verzichten kann. Sagt er nichts, kriegt er nichts.
Du, weil Du nicht mehr alle Varianten möglicher Interpretationen berücksichtigen musst. Kein Blick zurück, kein was-wäre-wenn-anders-interpretiert erforderlich. Klare Anforderungen, klare Entscheidung.
Das (Zusammen) Leben wird ein Stück weit einfacher.